Mainzigartig Mobil
Autonomer E-Kleinbus

Sicherheit

Auf welche Art ist gewährleistet, dass der Operator das Fahrzeug jederzeit dauerhaft unter seiner Kontrolle hat?

Gemäß Forderung des Wiener Übereinkommens von 1968, Artikel 8, ist dauerhaft ein Operator an Bord. Dieser kann jederzeit die gesamte Technik des Shuttles durch manuelles Eingreifen übersteuern. Dafür wird ein Joystick benutzt. Über den Joystick kann der Operator den Bus steuern, Blinker setzen, hupen usw. Wichtig bei der Bedienung des Joysticks ist der Kontrollknopf. Zur Erhöhung der Sicherheit muss der Operator bei Bedienung stets beide Knöpfe – den Kontrollknopf zur Aktivierung des Joysticks und den jeweiligen Steuerungsknopf – drücken.

Das Shuttle fährt auf einer gemappten Strecke – wie auf virtuellen Schienen. Daher ist die vorrangige Aufgabe des Operators stets einen Überblick über das Verkehrsgeschehen rundum zu haben und ggf. schnell eingreifen zu können. Bei Hindernissen auf der Strecke sollten diese gegebenenfalls manuell umfahren werden.
Zur Erhöhung der Sicherheit gibt es außerdem noch einen Notaus-Schalter im Bus, dieser ist in der Nähe des Operators, so dass im Notfall möglichst zeitoptimiert gehandelt werden kann. Außerdem besteht auch über den Controller die Möglichkeit der Notbremsung.

Welche Eingriffsmöglichkeiten hat der Operator und welche Reaktionszeiten sind im System realisiert?

Den Operator kann man sich wie einen Fahrer eines klassischen Wagens vorstellen, er kann dementsprechend analog das Shuttle bedienen. Die Eingriffsmöglichkeiten sind also ganzheitlich: Manueller Eingriff sticht immer autonome Fahrt. Bevor der Operator seinen Job antritt, muss zwingend eine Schulung absolviert werden. Diese wird vom Hersteller Navya durchgeführt.

Welche Sicherheitsfeatures gibt es?

Es gibt drei redundante Bremssysteme, die zeitgleich arbeiten. Fällt eines aus, reagiert das zweite. Fällt das zweite aus, bleibt das Shuttle stehen bis mindestens zwei Systeme wieder funktionsfähig sind.

Das Fahrzeug besitzt einen Notaus-Schalter.

Es ist ein Feuerlöscher, ein Hammer zum Einschlagen der Scheiben und ein Erste-Hilfe-Set an Bord.

Zusätzlich zum Operator gibt es die permanente Anbindung an ein Kontrollzentrum über eine Gegensprechanlage.

Im Fahrzeug besteht eine Sitzpflicht. Zudem ist das Fahrzeug mit Sicherheitsgurten ausgestattet, die vor der Fahrt von Kindern anzulegen sind. Die technischen Sicherheitsfeatures sind LiDAR-System vorne, hinten und an den Seiten sowie zwei 360-Grad-Stereovision-Kameras vorne und hinten und Odometriesensoren.

Was passiert im Fall eines Unfalls?

Der Prozessablauf im Fall eines Unfalls ist identisch mit dem eines Unfalls mit einem nicht-autonomen Fahrzeug. Vor Inbetriebnahme des Fahrzeugs wurde dieses zudem der örtlichen Polizei und Feuerwehr vorgestellt, so dass diese im Unfallfall befähigt sind, einzugreifen und bspw. einen Brand zu löschen. Außerdem ist die Polizei befugt, nach einem Unfall die Blackbox aus dem Bus zu nehmen, um den Unfallhergang rekonstruieren zu können.

Gibt es eine "Leitzentrale"? / Wer hat die Macht/Kontrolle?

Im Fahrzeug hat der Operator die Kontrolle über das Fahrzeug. Er ist erster Ansprechpartner. Es gibt ein Kontrollzentrum des Herstellers Navya in Lyon, Frankreich; die Betriebssprache ist Englisch. Das Kontrollzentrum kann den Bus nicht fernsteuern bzw. die Kontrolle übernehmen. Sie können lediglich via Kamera und Mikrofon in das Shuttle "hineinschauen" und über Lautsprecher Kontakt herstellen. Der Kontakt kann auch vom Fahrzeug in Richtung Kontrollzentrum über eine Gegensprechanlage aufgebaut werden, dafür reicht ein Knopfdruck. Jeder Austausch zwischen Bus und Kontrollzentrum – Video und Audio – wird aufgezeichnet und am Abend via Datentransfer dem Kunden zur Verfügung gestellt.

Derzeit wird die Zentrale vom Hersteller betrieben.

Ist vorgesehen, bei allen Witterungsbedingungen zu fahren (Dunkelheit, Regen, schlechte Sicht, …)?

Das Fahrzeug ist nur im Rahmen der angegebenen Betriebszeiten und damit nicht bei Dunkelheit im Einsatz. Bei den restlichen Witterungsbedingungen wird situativ entschieden, ob das Fahrzeug eingesetzt wird oder nicht.

Welche Sicherheitsarchitekturen und Assistenzsysteme sind im Fahrzeug zur Gewährleistung der Spurtreue und des Schutzes vor Kollisionen verbaut?

Im Shuttle ist kein klassischer Spurhalteassistent verbaut. Da der Bus auf Basis einer Programmierung auf einer Karte (Mapping), quasi wie auf virtuellen Schienen, fährt, ist
dieser Assistent auch nicht notwendig. Stattdessen greift hier wieder eine Mehrfachabsicherung über redundante technische Systeme. Mit Hilfe verschiedener Sensoren kann das Fahrzeug sehr präzise – auf den Zentimeter genau – lokalisiert werden.

Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über einen GPS-Empfänger, der mit einer GNSS-Basisstation verbunden ist. Sollte also ein Gegenstand den Weg blockieren, erkennt das Fahrzeug diesen und hält an. Der Operator übernimmt in dem Fall die Steuerung und fährt um das Hindernis herum. Nach dem Überholvorgang übernimmt der autonomen Modus wieder und setzt die Fahrt fort. Alternativ wird gewartet bis das Hindernis die Spur verlassen hat und das Shuttle setzt seinen Weg dann eigenständig fort.

Wurde die Feuerwehr und die Polizei informiert?

Die Berufsfeuerwehr und die Polizei der Stadt Mainz wurden informiert. Es fanden Besichtigungen des Fahrzeugs, der Mainzer Strecke und eine Vorstellung des Projekts statt.

Sind die Fahrzeuge vor Hackerangriffen geschützt?

Die Softwaresysteme sind lokal im Fahrzeug hinterlegt und können im Betrieb nicht von außen gesteuert werden. In die Fahrzeugsteuerung kann somit nicht im Betrieb eingegriffen werden, eine Weiterfahrt / Bedienung des Fahrzeugs ist nicht möglich.

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