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Kategorien: Mobilität Stadtwerke AG
25.07.2022

Neue Gleise in Gonsenheim und Finthen Erstes Projekt mit neuer Förderung des Bundes

Am Samstag starteten die ersten Arbeiten am Ende der Breiten Straße in Gonsenheim. Heute, am 25. Juli, geht es offiziell los mit der großen Gleissanierung der Mainzer Mobilität zwischen der Hugo-Eckener-Straße in Gonsenheim und der Finther Römerquelle.

In mehreren Bauabschnitten werden bis Ende 2024 auf einer Strecke von insgesamt rund vier Kilometern abschnittsweise Gleisanlagen, Fahrleitungen und Masten erneuert. Dabei nutzt die Mainzer Mobilität erstmals den neuen Fördertatbestand im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes, mit dem umfangreiche Maßnahmen der Grunderneuerung ab Kosten von 10 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium mit 50 Prozent gefördert werden. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme werden derzeit auf rund 14 Millionen Euro geschätzt - bei allen Unwägbarkeiten, die aktuell in der Baubranche aufgrund von Preissprüngen unter anderem beim Material oder bei der Beschaffung existieren. Der Antrag auf Förderung wurde beim Land, das die Bearbeitung für den Bund übernimmt, gestellt. Das Land hat den „vorzeitigen Maßnahmenbeginn“ genehmigt, so dass auch ohne endgültigen Förderbescheid der Bau gestartet wird. Die Stadt Mainz engagiert sich mit einem Millionenbetrag und übernimmt zusätzlich die Finanzierung von Rasengleisen in einigen Abschnitten. Oberbürgermeister Michael Ebling, die Mainzer Umwelt- und Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger, der Stadtwerke-Vorstandsvorsitzende Daniel Gahr und die MVG-Geschäftsführung mit Berit Schmitz und Jochen Erlhof stellten die Eckpunkte des Millionenprojekts heute in Gonsenheim vor.

 

Die Gleis- und Fahrleitungsanlagen auf diesem Straßenbahnabschnitt werden teilweise schon mehr als 45 Jahre lang genutzt. So wurde beispielsweise der Bereich zwischen der Gemarkungsgrenze und der Römerquelle 1977 in Betrieb genommen. Sanierungen im Rahmen der normalen Instandhaltung wie etwa das Aufschweißen von seitlichen Ausfahrungen an den Schienen, ein Schwellenwechsel oder der Tausch von Verspannungen wurde in dieser Zeit schon mehrfach durchgeführt. Jochen Erlhof: „Aber nach 45 Jahren ist die Lebensdauer trotz Instandsetzung erreicht, hier muss jetzt vollständig erneuert werden.“

Terminübersicht

Die gesamte Strecke kann nicht an einem Stück saniert werden, da die Bauarbeiten im verdichteten innerstädtischen Bereich stattfinden. Umleitungen für den Individualverkehr und den ÖPNV sind in dieser Größenordnung zeitgleich nicht möglich. Zudem verfügt die MVG nicht über ausreichend Personal und Baufirmen, um das Großprojekt innerhalb eines Jahres abzuwickeln. Daher erstrecken sich die Arbeiten voraussichtlich bis Ende 2024 über mehrere Abschnitte.  In den jetzt gestarteten Sommerferien betrifft der erste Bauabschnitt den Bereich zwischen der Kreuzung "Kirchstraße" bis inklusive der Einmündung "Heidesheimer-Straße". Hier wurde bereits die Hälfte der Strecke Anfang 2022 ausgebaut. Jetzt ist der Abschnitt zwischen Budenheimer Straße und Kirchstraße dran. Ebenfalls in den Sommerferien wird Rasengleis "An der Bruchspitze" eingebaut. Und Ende August 2022 beginnt die Mainzer Mobilität mit dem Kernbereich, dem Abschnitt "Gemarkungsgrenze" bis "Römerquelle".

 

Kreuzung Kirchstraße bis inkl. Einmündung Heidesheimer-Straße

Dieser Abschnitt ist fast 320 Meter lang und besteht aus 90 Metern Rasengleis und 220 Metern straßenbündigem Bahnkörper. Das Rillengleis ist aus den 90-er Jahren. Die Rillenschienen sind an der Verschleißgrenze angekommen. Die Gleise werden in alter Lage auf Betonschwellen erneuert, die Schwellenzwischenfächer ausbetoniert und die Oberfläche in Asphaltbauweise geschlossen. Im Bereich des Rasengleises werden die Rillenschienen in alter Lage auf Betonschwellen verlegt und von Schwellenoberkante bis zur Schienenoberkante mit Rasensubstrat befüllt.

 

Haltestelle Gemarkungsgrenze bis Haltestelle Finthen Römerquelle

Der Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen Römerquelle und Gemarkungsgrenze ist der wichtigste Abschnitt mit hoher Dringlichkeit. Er wurde Ende der 70-er Jahre in Betrieb genommen. In den 45 Betriebsjahren wurden regelmäßige Instandhaltungen an den Gleisen und der Fahrleitungsanlage durchgeführt – eine Grunderneuerung des Abschnitts ist jetzt aber unvermeidbar. Diese umfasst eine vollständige Sanierung der Gleise, des Oberbaus und der Fahrleitungsanlage. Betroffen sind etwa 2000 Meter Gleis, vier Weichen und eine Kreuzung. Die Fahrleitungsanlagen werden von der bestehenden Einfachfahrleitung zu einer Fahrleitung mit Hochkette umgebaut. Alle Fahrleitungsmasten werden durch neue Masten ersetzt und die Standorte innerhalb des Gleisbettes teilweise leicht versetzt. 

 

Einmündung Hugo-Eckener-Straße bis Kreuzung Weserstraße

Dieser Abschnitt ist etwa. 550 Meter lang. Die Vignolgleise sind teilweise aus den 70-er Jahren und liegen auf Holzschwellen oder Betonschwellen. Die Rillengleise sind aus den 80ziger Jahren und liegen teilweise nur auf einer Packlage ohne Schwellen oder auf Holzschwellen, die mittlerweile teilweise verrottet sind. Deshalb pumpt das Gleis und ist an manchen Stellen schon abgesackt. Außerdem sind die Gleise aus- und abgefahren. Hier ist geplant, die Gleise in alter Lage auf Betonschwellen zu erneuern.

 

Kreuzung Weserstraße bis Haltestelle Wilhelm-Raabe-Straße und Haltestelle Wilhelm-Raabe-Straße bis Kreuzung Kirchstraße

Diese beiden Abschnitte sind rund 350 Meter und 450 Meter lang, bestehen aus Rillengleis im straßenbündigen Bahnkörper. Die Rillengleise sind aus den 80-er und 90-er Jahren, weisen starke Riffel auf oder sind kurz vor der Verschleißgrenze. Der Asphalt reißt an den Stellen der Spurstangen oder bei anderen Schäden im Unterbau. Dies ist auch deutlich an der Oberflächenqualität für den übrigen Verkehr zu erkennen. Die Gleise werden in alter Lage auf Betonschwellen erneuert, die Schwellenzwischenfächer ausbetoniert und die Oberfläche in Asphaltbauweise geschlossen. Hier geht es um Kernbereiche der Breite Straße mit zahlreichen Geschäften und Dienstleistungen mit ganz besonderen Anforderungen der Bauabwicklung.

 

Haltstelle Kapellenstaße bis Haltestelle Gemarkungsgrenze

Auf diesem Abschnitt sind die Schienen aus dem Jahr 2010 und in einem guten Zustand. Jedoch wird auf diesem Abschnitt die gesamte Fahrleitungsanlage erneuert. Die Fahrleitungsanlage besteht aus etwa 50 Fahrleitungsmasten inkl. Fahrdraht, Ausleger und Verspannungen. Vorgesehen ist auch der Einbau von Rasengleis, für den die Stadt Mainz die Mittel zur Verfügung stellt.

 

Rasengleis Bruchspitze

Unabhängig von der Fördermaßnahme wird von der Haltestelle "Hugo-Eckener-Str." bis zur Überfahrt "An der Bruchspitze" das offene Schottergleis mit einem Rasen eingedeckt. Hierfür werden die Schwellen und der Schotter mit einem Geotextil abgedeckt, An den Schienensteg werden Kammerfüllsteine angeklebt. Bis zum Schienenkopf wird ein qualifiziertes Substrat angeschüttet, in das dann der Rasen eingesät wird. Dieser Abschnitt hat eine Streckenlänge von circa 600 Metern – ergibt 1200 Meter neues Rasengleis, finanziert über Mittel der Stadt Mainz.

Hechtsheim und Bretzenheim

Bis Ende 2022 ist in Hechtsheim am Bürgerhaus sowie in Bretzenheim im Bereich der Römersteine ebenfalls der Einbau von Rasengleis auf einer Streckenlänge von 1900 Metern vorgesehen.

Gleiswechsel Gautor

Der bestehende Gleiswechsel am Gautor wird in den Herbstferien 2022 erneuert.